Peter Boss
Zur Person des Peter Boss

Hand auf's Herz! Wer hat nicht noch eine alte Peter Boss-Platte im Regal versteckt? Doch die Facetten eines Peter Boss sind leider nicht so vielseitig wie ein Telefonbuch.

Die 80er

War Peter Boss in den 70ern noch als Pianist und Schöngeist verschrien, begann er in den 80ern mit der Produktion von Pop-Platten. Dabei unterschied er sich von seinen werten Kollegen vor allem in einem - er produzierte mehr Masse als Klasse. In den Staaten wurde Boss vor allem durch Filmmusik bekannt, die unzähligen Filmen zu zwielichtem Ruhm verhielf. Damit gelang es ihm urplötzlich, den Durchbruch zu schaffen und den Durchblick zu verlieren. 1985 stand er mit 5 Schrott-Produktionen gleichzeitig in der BBC-Top 50. 10 Millionen Platten verkaufte er allein in diesem Jahr. Musikwissenschaftler Paul Katz zählt ihn noch heute zu den Top 3 dieser Branche.

Nur zwei Jahre später sah man Herr Boss des öfteren auf Pool-Parties in den Villengegenden von L.A. - umringt von einer Hand voll Blondinen - das Buffet verschlingen. Freßsucht gesellte sich zur Eitelkeit. Boss schmiss mit Pelzen und Brillanten um sich. Er konnte ja nicht wissen, dass sein Abstieg schon längst begonnnen hatte. Später hatte er die Schnauze dann voll vom Chauvi-Gehabe. Unter dem Decknamen Petra Boss versuchte er einen allzu peinlichen Neuanfang. Ein altes Paar nahm sich seiner an.

Die 90er

1994 stellte Peter Boss der Welt seine bisher vielversprechendste Neuenddeckung vor: Jenny Hill. Die charmante Lady gab das unschuldige Mädchen vom Lande, aber an ihrem verschmierten Lippenstift merkte man sehr schnell, dass mehr dahinter steckte. In einem Tonstudio nahmen die beiden ein Intermezzo nach dem nächsten auf, um sie hinterher in die Tonne zu treten. Dann riss Boss der Geduldsfaden - er schlampte eine lausige Produktion hin. Die Fans waren entsetzt. Allein die Kritiker rieben sich die Hände. Doch sie alle hatten die Rechnung ohne die Penetranz eines Herr Peter Boss gemacht. Wollten zuerst nur Hotels und Dampfer Stationen seiner Welttournee sein, zelebrierte der Altmeister schon bald eine der größten und aufwendigsten Entertainment-Shows der Neuzeit. Kenner schwärmten von Las-Vegas-Feeling.

Und heute?

Mittlerweile wurde es ruhiger um Peter Boss. Er zog sich auf sein Herrenhaus bei Lübeck zurück, wo er die dortige Vogelwelt studierte. Allerdings hat sich Boss sehr gut gehalten. Der Endvierziger sieht noch immer aus wie Ende 20. Auch wenn böse Zungen behaupten, Boss hätte sich sein Fett absaugen lassen und hier und da noch etwas machen lassen: Boss kann darüber nur lachen. Feinde zollen seinem flinken linken Haken auch heute noch Respekt. Denn Herr Boss kann nicht nur verdammt gut einstecken, er kann auch richtig gut austeilen.

Hin und wieder sieht man ihn auf einer Gala Hände schütteln oder durch kleine Clubs tingeln. Ausgerissen ist er, um abgerissen wieder zu kommen: die letzten drei Jahre verkroch er sich in einem Keller um seine Fingern und an einem neuen Werk zu feilen. Da er wegen der plötzlichen Rheumaattacken nur noch im Sommer Klavier spielte, sah man ihn statt dessen im Winter oft im Park eine Melodie summen.

Was dabei rauskam? Eine neue Scheibe natürlich. Ein neuer Versuch. Ein Neuanfang mit dem er es allen zeigen will, vor allem aber einem - sich selbst!